Zwischen Herbstnebel und heimlichem Verlangen
Draußen tanzen die letzten goldenen Blätter durch die kalte Abendluft und der Himmel trägt dieses melancholische Grau, das Ende Oktober so unwiderstehlich macht. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und irgendwie liegt in dieser Jahreszeit etwas Verführerisches. Als würde die Welt ein wenig leiser werden, damit man die leisen Sehnsüchte in sich selbst wieder deutlicher hören kann. Ich sitze eingekuschelt in eine weiche Decke, eine Tasse Tee neben mir, während Regentropfen gegen die Fensterscheiben klopfen. Die Kerzen werfen flackernde Schatten an die Wände, und mein Kopf ist längst nicht mehr dort, wo er sein sollte. Denn meine Gedanken kreisen um dich. Um deinen Blick, dieses kaum merkliche Lächeln, das mich jedes Mal aus dem Gleichgewicht bringt, und um die Art, wie du mir näherkommst, als wüsstest du ganz genau, was das mit mir macht. Ich frage mich, wie es wäre, wenn du jetzt hier wärst. Wenn du dich neben mich setzen würdest, zunächst ganz unschuldig, vielleicht mit einem frechen Kommentar über das herbstliche Wetter. Wenn unsere Knie sich zufällig berührten und keiner von uns auf die Idee käme, den Abstand wieder zu vergrößern. Wenn aus einem flüchtigen Blick ein stilles Einverständnis würde und aus einem Lächeln etwas, das man besser nicht in Worte fasst. Vielleicht würdest du mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht streichen. Vielleicht würde deine Hand einen Moment länger auf meiner liegen bleiben, als es nötig wäre. Vielleicht wäre die kühle Herbstnacht plötzlich nur noch eine Ausrede, um enger zusammenzurücken. Es ist schon seltsam, wie sehr mich diese Vorstellung wärmt. Draußen verfärbt sich die Welt in Kupfer, Rostrot und tiefes Gold, während in mir eine ganz andere Art von Wärme entsteht. Eine, die nichts mit Kerzen, Tee oder einer kuscheligen Decke zu tun hat. Eine, die sich in einem vielsagenden Lächeln versteckt und bei dem Gedanken an deine Nähe ein wenig gefährlich wird. Vielleicht ist genau das der Zauber dieser späten Oktobertage: Alles scheint sich zurückzuziehen, sich in Dunkelheit und Geheimnisse zu hüllen. Gerade deshalb wächst die Lust auf Nähe, auf Berührungen, auf jene kleinen Momente, die man später im Stillen noch einmal durchlebt. Heute Abend werde ich wohl noch eine Weile wach bleiben. Dem Regen lauschen, den Kerzenschein genießen und mir erlauben, ein wenig unvernünftig zu träumen. Wer weiß … vielleicht bin ich ja nicht die Einzige, die sich fragt, wie schön es wäre, wenn aus diesem heimlichen Verlangen endlich ein unvergesslicher Abend würde. Manche Wünsche sind wie der Herbstwind: Man kann sie nicht sehen, aber man spürt ganz genau, wenn sie einen berühren.